Science Fiction Modellbau > 42
What if? 1:72 MiG-71.2 "Fastback" Prototyp - Versuch eines kompakten WiP
dizzyfugu:
Der etwas heillose Versuch, die letzten drei bis vier Wochen im OP für dieses Kitbashing-Projekt in einen kohärenten Baubericht zu packen.
Vorweg: dieses Modell hat zwar kein konkretes Vorbild, wie in den Galeriebildern erwähnt gabe es in der Sovietunion seit den Siebzigern mehrere Projekte in die Richtung dieses fiktiven Flugzeuges - und das Modell sollte diese Design-Ideen widerspiegeln. Tatsächlich hatte ich dieses Projekt schon seit ein paar Jahren auf der Ideenliste und dafür Infos sowie Spenderteile gesammelt - daher fiel auch die Hintergrund-Info sehr umfangreich aus, denn ich baue solche Whifs ungern "ins Blaue".
Die Basis für die 71.2 bilden drei Bausätze:
* Dragon 1:144 B-1B für Rumpf und Flügel (inkl. Schwenkmechanismus)
* PM Model 1:72 Su-15UM (der Bausatz ist falsch als Su-21 bezeichnet) für den Bug
* Dong Feng 1:72 MiG-31 (gab es auch im Revell-Karton) für die Triebwerke...plus einige weitere Spenderteile.
1:72 Mikoyan-Gurewitsch Izdeliye 71.2 "жура́вль" (Crane); 2nd prototype at Savasleyka Air Base, 1995 (Whif/kit-bashing) - WiP by dizzyfugu, on Flickr
Die B-1B ist ein recht filigraner und bis auf die Passform der Rumpfhälften guter Bausatz. Die Su-15 und die MiG-31 sind - man muss es so sagen - grottig, grob und z. T. "falsch". Zersägen ist echt das Beste, was man damit anstellen kann, und zumindest bekommt man die Dinger recht günstig, so dass der "Aus-drei-mach-eins"-Ansatz auch finanziell vertretbar war.
Das Ziel war grob klar, und los ging es mit mutigen Sägeschnitten und einigem Ausprobieren:
1:72 Mikoyan-Gurewitsch Izdeliye 71.2 "жура́вль" (Crane); 2nd prototype at Savasleyka Air Base, 1995 (Whif/kit-bashing) - WiP by dizzyfugu, on Flickr
Nachdem die groben Proportionen standen ging es bereits an Modifikationen, z. B. einem vergrößerten, einfachen Waffenschacht vor den Tragflächen, der die großen Flugkörper aufnehmen könnte; diese sind OOB 1:72 AGM-78 Standard ARMs, später lediglich individuell lackiert - tatsächlich kommen die Dinger in Größe und Form recht nah an Entwürfe für die (echten, aber nie realisierten) K-100-Flugkörper heran, die Teil des gesamten Waffensystems gewesen wären.
1:72 Mikoyan-Gurewitsch Izdeliye 71.2 "жура́вль" (Crane); 2nd prototype at Savasleyka Air Base, 1995 (Whif/kit-bashing) - WiP by dizzyfugu, on Flickr
1:72 Mikoyan-Gurewitsch Izdeliye 71.2 "жура́вль" (Crane); 2nd prototype at Savasleyka Air Base, 1995 (Whif/kit-bashing) - WiP by dizzyfugu, on Flickr
Parallel ging es am Heck los; die Triebwerkszelle stammt von der MiG-31 - einfach, weil diese "in echt" die passenden Triebwerke hätte, und der Durchmesser von den Turbofans (interessanterweise in der Basis dasselbe, was das Tu-154-Reiseflugzeug angetrieben hat!) immens ist. Das sollte auf jeden Fall ins Modell mit aufgenommen werden.
Ein bisserl tückisch war dann aber die Frage der Lufteinläufe, und wie sie an die riesige Zelle bzw. diese an den flachen B-1-Rumpf angepasst werden sollten? Erst einmal entschied ich mich für einen vertikalen Splitter für die Einläufe, die im Kern auch von der MiG-31 stammen:
1:72 Mikoyan-Gurewitsch Izdeliye 71.2 "жура́вль" (Crane); 2nd prototype at Savasleyka Air Base, 1995 (Whif/kit-bashing) - WiP by dizzyfugu, on Flickr
Um die Triebwerkszelle auf den Rumpf zu bekommen habe ich mich am Heck schrittweise an die mögliche Position gewagt - und nach und nach immer mehr vom B-1-Rumpf weggenommen:
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...was schließlich zu so etwas führte:
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Das neue Problem: wie bekomme ich einen halbwegs harmonischen Übergang von der Unterseite der Zelle zu den viel schmaleren Lufteinfäufen und zum Rest des Rumpfes hin? An dieser Stelle kamen echte Zweifel auf! ???
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dizzyfugu:
Weiter vorne, im Inneren: Platz ist da ja nicht viel, und im Wahren wie im Modell muss ja auch irgendwo der Flügelschwenk-Mechanismus und ein Fahrwerk hin - und bei der Größe des Trümmers und einem geschätzten Gewicht von 40 Tonnen kein kleines... Allgemeiner Platzmangel und der Wunsch, den OOB-Mechanismus beizubehalten, ließ mich dann auf ein Tandenfahrwerk mit Stützrädern zurückfallen, der mit einem zentralen, großen Schacht für ein 4-Rad-Bogie (von einer VEB Plasticart 1:100 Tu-20/95) und verlängerte Verkleidungen an den festen Flügelbestandteilen für die Stützräder mündete. Unorthodox, aber pragmatisch.
1:72 Mikoyan-Gurewitsch Izdeliye 71.2 "жура́вль" (Crane); 2nd prototype at Savasleyka Air Base, 1995 (Whif/kit-bashing) - WiP by dizzyfugu, on Flickr
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Dann gab es ja noch das Triebwerks-Zellen-Problem:
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Einerseits habe ich mich erst einmal um das Innenleben der Triebwerke gekümmert, u.a. mit Verdichter-Dummies (von einer, bzw. eigentlich zwei Matchbox A-10), den Einlauf-Rampen und einer Special-Effect-Mechanik.
Bei den Arbeiten kam ich dann auf die Idee, durch mutige, dreidimensionale Schnitte und sektorenförmige Implantate so etwas wie "Luftschächte" zu schaffen, die unter den Lufteinläufen in den unteren Rumpfbereich übergehen. Klingt kompliziert - ist/war es auch!
1:72 Mikoyan-Gurewitsch Izdeliye 71.2 "жура́вль" (Crane); 2nd prototype at Savasleyka Air Base, 1995 (Whif/kit-bashing) - WiP by dizzyfugu, on Flickr
1:72 Mikoyan-Gurewitsch Izdeliye 71.2 "жура́вль" (Crane); 2nd prototype at Savasleyka Air Base, 1995 (Whif/kit-bashing) - WiP by dizzyfugu, on Flickr
Parallel machte auch das Ex-Su-15UM-Cockpit Fortschritte. Hier wurde das Interieur komplett neu aufgebaut, denn OOB ist ad nur eine Platte mit zwei klobigen Sitzen drin, und der Fahrwerksschacht ist ein 1mm tiefes Loch. Also: Bugradschacht einer Hasegawa F-4 implantiert, darauf eine neuer Boden, und dazu dann Instrumentenbretter derselben F-4, neue (russische) Sitze und gescratchte Seitenkonsolen aus 1.5mm Sheet. Alles besser als die Ausgangssituation - nämlich so gut wie nöscht!
1:72 Mikoyan-Gurewitsch Izdeliye 71.2 "жура́вль" (Crane); 2nd prototype at Savasleyka Air Base, 1995 (Whif/kit-bashing) - WiP by dizzyfugu, on Flickr
Währenddessen machte auch der Rumpf Fortschritte:
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dizzyfugu:
Zurück zur Triebwerks-Zelle - da war was mit "Special Effects"! Bei hohen Machzahlen verschiebt sich der Schwerpunkt eines Flugzeuges tendenziell nach hinten, und Stabilität wird schwieriger. Einige Mach 3 Flugzeuge wie z. B. die XB-70 oder die XF8U-3 hatten daher große, vertikale Stabilisatoren-Flächen - die so groß waren, dass sie, um das Flugzeug überhaupt landen oder am Boden bewegen zu können, hochgeklappt werden konnten. Dies sollte die 71.2 auch bekommen - und zwar variabel, für die späteren Beauty Pics. Die erste Idee waren zwei Paar Tornado-Höhenruder zum wechseln (mit entsprechenden Adaptern bzw. Aufnahmen im Rumpf), aber statt dessen fand ich in der Teilebox ein paar Höhenruder einer Hasegawa A-5 Vigilante. Diese waren so dick, dass ich mit einem angewinkelten Draht-Implantat mit diesem einem Paar ausgekommen bin. Und mit den angewinkelten Aufnahmen (einfache Polystyrol-Rohre mit passendem Durchmesser) lassen sich die Höhenruder nun durch Links/Rechts-Tausch für Fluug- oder Bodenszenen umbauen.
Hier die Aufnahme in der Triebwerks-Zelle:
1:72 Mikoyan-Gurewitsch Izdeliye 71.2 "жура́вль" (Crane); 2nd prototype at Savasleyka Air Base, 1995 (Whif/kit-bashing) - WiP by dizzyfugu, on Flickr
Die Adapter sind plastik-kaschierter Stahldraht, der, in entsprechende Aussparungen, mit Sekundenkleber in den Höhenrudern fixiert wurde:
1:72 Mikoyan-Gurewitsch Izdeliye 71.2 "жура́вль" (Crane); 2nd prototype at Savasleyka Air Base, 1995 (Whif/kit-bashing) - WiP by dizzyfugu, on Flickr
...und so sieht der Rohbau dann in Boden-Konfiguration aus:
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...bzw. abgewinkelt für hohe Fluggeschwindigkeiten:
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Und der Test am lebenden Objekt, ob das alles von der relativen Position und den Proportionen hinkäme. Sah aber alles gut aus!
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dizzyfugu:
Langsam nahm auch der Rest der 71.2. Gestalt an:
1:72 Mikoyan-Gurewitsch Izdeliye 71.2 "жура́вль" (Crane); 2nd prototype at Savasleyka Air Base, 1995 (Whif/kit-bashing) - WiP by dizzyfugu, on Flickr
...und das Cockpit konnte "geschlossen" werden, um bald darauf an den ebenfalls geschlossenen Rumpf gesetzt zu werden:
1:72 Mikoyan-Gurewitsch Izdeliye 71.2 "жура́вль" (Crane); 2nd prototype at Savasleyka Air Base, 1995 (Whif/kit-bashing) - WiP by dizzyfugu, on Flickr
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Am Heck bereitete die Form unter dem Lufteinlauf aber weitere Kopfschmerzen - auch, weil man an den Bereich "über Kopf" kaum herankam. Insofern habe ich auch erst die "Unterschale" der Zelle mit dem Rumpf verklebt und verspachtelt, und erst dann den oberen Teil aufgesetzt. Man kann hier aber den "Schacht" erkennen, der unter den Lufteinläufen und hinter den Verkelidungen für die Stützräder entstanden ist. Nach Runde sechs beim Spachteln & Schleifen habe ich aber doch aufgehört mitzuzählen... :-\
1:72 Mikoyan-Gurewitsch Izdeliye 71.2 "жура́вль" (Crane); 2nd prototype at Savasleyka Air Base, 1995 (Whif/kit-bashing) - WiP by dizzyfugu, on Flickr
Kurz darauf: Hochzeit von Bug und Rumpf! Tatsächlich sind der B-1-Rumpf und das Su-15-Cockpit von der Höhe fast wie füreinander gemacht - nur die organischen LERXe der B-1 mussten dann nach vorne verlängert werden:
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dizzyfugu:
Währenddessen am Heck: Endlich ist auch diese Kiste zu und kann (Hurra!) verspachtelt werden.
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...und so langsam festigte sich auch der Eindruck, was für ein massiver Brummer gerade entstand!
1:72 Mikoyan-Gurewitsch Izdeliye 71.2 "жура́вль" (Crane); 2nd prototype at Savasleyka Air Base, 1995 (Whif/kit-bashing) - WiP by dizzyfugu, on Flickr
Natürlich passte die OOB-Haube von der PM Model Su-15UM auch nicht (mehr) ganz, vor allem beim Übergang zum B-1-Rumpf musste nachgebessert werden. Außerdem sollte die dicke (bestimmt 2mm stark!) Haube geteilt werden, um sie schließlich offen darzustellen.
1:72 Mikoyan-Gurewitsch Izdeliye 71.2 "жура́вль" (Crane); 2nd prototype at Savasleyka Air Base, 1995 (Whif/kit-bashing) - WiP by dizzyfugu, on Flickr
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Auch das Seitenruder war lange fraglich. Ursprünglich sollte es ein weiteres Tornado-Höhenruder sein, das erwies sich aber schnell als zu klein - auch im Vergleich zu den größeren Höhenrudern von der A-5. Dann dachte ich, auch ein A-5-Seitenleitwerk aufzusetzen - die Größe/Fläche war O.K., aber das Ding sah nicht nach Mach 3+ aus und war viel zu schmal... Dann fand ich schließlich Überbleibsel eines früheren Kitbashing-Projektes: zwei einzelne Tragflächenoberseiten einer anderen PM-Model-Su-15. Gegeneinandergeklebt ergab sich ein sehr sovietischer und "schneller" Look - war sofort gekauft, verklebt und verspachtelt!
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