Science Fiction Modellbau > 42

Perry Rhodan »DIE BASIS« - Modellbogenentwicklung für die PRFZ

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thomas121grau:


--- Zitat von: Sheriff am 10. November 2015, 17:05:02 ---.....Da Papier aber nicht mein Werkstoff ist ...
--- Ende Zitat ---

... es sei mir gestattet, an dieser Stelle ein paar Gedanken zum Modellbau aus Karton zu
entwickeln, da Papier & Karton immer schon »mein« Werkstoff waren (und sind).
Da ich seit über 35 Jahren »Karton«-Modellbogen entwickle, produziere und publiziere
(was nicht so ganz hierher gehört) habe ich in dieser Zeit die Erfahrung machen dürfen,
dass es nur sehr wenig gibt, was sich in einem Modell aus Papier & Karton nicht dar-
stellen lässt.
Auch im Modellbau aus Karton gibt es die Möglichkeit, sich kommerziell verfügbarer
Produkte zu bedienen oder aber - um den denglischen Begriff zu benutzen - »from scratch«
zu bauen ... wie attraktiv und optisch suggestiv am Ende das fertige Modell aussieht,
hängt ausschließlich von der Kreativität und dem handwerklichen Geschick des
Erbauers ab.
Kommerziell verfügbare »Karton«-Modellbogen nehmen durch die »mitgelieferte« Binnengrafik
dem Erbauer den allergrößten Teil der »Detaillierungsarbeit« ab - ohne diesem widerum
mögliche Freiräume in der weiteren Ausarbeitung zu verwehren.
Die »Binnenzeichnung« ist historisch bedingt ein absolut wesentlicher Bestandteil eines
»Karton«-Modellbogens und hat die Aufgabe, dem Modellbauer schnell und mit einfachen
Mitteln ein attraktives Modell zu ermöglichen, indem viele räumliche Strukturen rein
grafisch dargestellt werden. Tatsächlich erweist sich bei näherer Untersuchung, dass
vorwiegend »Karton«-Modellbogen mit Architektur-Motiven stark ausgeprägte räumliche
Grafik-Effekte in der Binnenzeichnung zeigen ....

Aber gehen wir einen kleinen Schritt »zurück«:

Das »Geheimnis« des Karton-Modellbaus ist die Abwicklung der Oberfläche eines Körpers
in die Fläche, gefolgt von der Re-Produktion aus der Fläche zurück in den dreidimensionalen Raum.
Auf der Seite des Konstruierens bedient man sich der Geometrie und Mathematik: jeder noch
so komplizierte Körper läßt sich prinzipiell in eine Kombination von Zylindern, Kegeln, Pyramiden,
Quadern und Würfeln zerlegen und daher mit den bekannten Verfahren der darstellenden
Geometrie in die Ebene abwickeln.
Alle diese geometrischen Körper oder Teilkörper sollten allerdings Oberflächen haben,
die unbedingt nur in einer Richtung gekrümmt sind. (»single concavity«)
Anders als Metall (oder Kunststoff) lässt sich Karton »sauber« nur in eine Krümmungsrichtung
verformen. (Es gibt selbstverständlich auch etwas aufwändigere Techniken, um Karton in mehrere
Krümmungsrichtungen zu verformen).
Der Modellbauer seinerseits bedient sich Messer, Lineal, Schere und Klebstoff (und
natürlich seiner Geduld und Geschicklichkeit) um aus der Fläche wieder ein räumliches Gebilde
entstehen zu lassen.

Ein »Karton« Modellbogen besteht aus den Komponenten:

• Konstruktionszeichnung
Meistens (dünne) Umrisse in dunkler Färbung. Hiermit werden die abgewickelten Bestandteile (=Bauteile)
dargestellt, die zur Montage des Modells benötigt werden.
• Verbindungstechnik
Meistens in Form von Klebelaschen. Mit diesen Laschen werden die abgewickelten Bestandteile
an passenden Stellen ergänzt um eine zuverlässige Verbindung untereinander zu gewährleisten
•Liniencode
In der Regel eine Anzahl unterschiedlicher Linien und/oder Zeichen, die definieren,
wo und wie etwas geschnitten, geritzt, geknickt, gerillt, geklebt  etc. etc. werden soll.
Zum Liniencode gehören auch Symbole, die Besonderheiten zum Schneiden und/oder Verformen der
Bauteile indizieren (z.B. Scherensymbole, Pfeile, schraffierte Flächen etc. etc.)
• Bezifferung
Die den Bauteilen zugeordneten Ziffern ordnen in der Regel die Abfolge der
Montage, ermöglichen die Orientierung innerhalb des Modellbogens und schaffen eine eindeutige
Verbindung zur Bauanleitung.
• Bauanleitung
Eine Montageanleitung, die eindeutig darstellt, wohin was und in welcher Reihenfolge
geklebt werden soll, ist ab einer gewissen Anzahl von zu montierenden Einzelteilen unerläßlich.

Soweit die technischen Definitionen. Um einen Modellbogen zu einem grafisch gelungenen Gesamtkonzept
werden zu lassen, wird dazu (wie oben erwähnt) die sogenannte »Binnenzeichnung« benötigt:

• Binnenzeichnung
(Oder Binnendekoration) Hiermit werden die allermeisten Details des Vorbildes in grafischer Form
dargestellt, die sich nicht plastisch darstellen lassen (oder die der Autor nicht plastisch
darstellen will). Gerade und besonders die Binnenzeichnung ist das Merkmal eines Modellbogens:
Die »Gestaltung« oder die »Bemalung« des Modells ist sozusagen bereits vorgegeben! Lassen sich
doch damit alle Details der Vorbildes einschließlich Alterungs- und Verwitterungsspuren nahezu
perfekt darstellen.
Diese »Perfektion« wird allenfalls durch die beim Kartonmodellbau systembedingten weissen
Schnitt- und Knickkanten »gestört«. Üblicherweise wird farbig auf einen hellen (meist weissen) Bedruckstoff
gedruckt. Die Möglichkeit des Einfärbens weisser Kanten wird als bekannt vorausgesetzt.

... und natürlich sind diese Betrachtungen dann nur Makulatur, sobald ein Modellbauer mit neutralem
Kartonmaterial ein Modell »from scratch« entstehen lässt ...

Aber eben DARUM geht es bei den Modellbogen für die PRFZ (und andere Abnehmer) nicht ...



thomas121grau:
Beispiele einfachster Abwicklungen - rein schematisch dargestellt ....
WÜRFEL - KEGELSTUMPF - ELLIPSOID - ABGESCHRÄGTER KEGELSTUMPF



Prinzipiell unterschieden werden MANTELFLÄCHEN und DECKFLÄCHEN



»Dekflächen« werden nicht »abgewickelt«, die Mantelflächen sehen je nach Körper
sehr unterschiedlich aus, wenn sie abgewickelt sind:


WÜRFEL




KEGELSTUMPF




ELLIPSOID




ABGESCHRÄGTER KEGELSTUMPF

Sheriff:
Einen Würfel hätte ich so aus dem Stegreif vielleicht noch hinbekommen.  ;) mehr oder weniger gerade.

Danke dir für die umfassende Erläuterung.
Die vier Formen hier sind auf jeden Fall schonmal nachvollziehbar.

urban warrior:
Geil! Herrjeh ist das lange her, wo ich die Abenteuer der BASIS in den Romanen verfolgt habe. Oliver Scholls Risszeichnung hat damals durchaus etwas die Gemüter polarisiert ... aber nicht so stark wie Stoessels SOL. Solche Riesenraumschiffe sind halt nicht zwangsläufig dankbare Subjekte für die zeichnerische Darstellung oder die Umsetzung als Modell. Wobei Christoph Anczykowski ja bewiesen hat, dass man auch "miniaturisiert zeichnen" kann. Ich glaube aber eher, dass er einfach nur ein paar Siganesen beschäftigt hat, die für ihn gezeichnet haben.  ;D Er verfügt wirklich über ein einzigartiges Talent beim Detailieren.

Bin mal gespannt, wie Du diesen Giganten umsetzen wirst.

Cheers
Martin

thomas121grau:
... guten Morgen,

zunächst gilt es, die ursprünglich von Oliver Scholl im Jahre 1982 erdachte Form
nachzuempfinden und einige prinzipielle Details zu »enträtseln« :-)

Der Übergang der trichterförmigen »Triebwerkseinheit« zum quadratischen Körper
erschien mir - vor allem aus den 2D-Ansichten - nicht ganz so schlüssig,
deshalb wurde (nur mit den Abmessungen aus den 2D-Ansichten) diese Situation
im 3D-Raum simuliert ... mit Sicht "von hinten".
... verglichen mit Scholl's 3D-Schnittzeichnung muß offensichtlich der »Trichter«
doch etwas weiter nach hinten "rausschauen".
Ob es wirklich zusätzlich Übergangsflächen zwischen den Eck-Kanten des quadratischen Körpers
und dem äußeren Umfang des »Trichters« gibt, läßt sich nicht eindeutig interpretieren.
Bei der jüngeren Postergrafik von Günter Puschmann ist diese Situation dazu noch etwas
anders dargestellt ...

Zum Maßstab
Die Entscheidung in welchem Maßstab das Modell gehalten wird, dürfte
relativ einfach sein - es bieten sich die Durchmesser 300 mm bzw. 400 mm an,
was den Maßstäben 1:40.000 bzw. 1:30.000 entspricht...
Die Maßstabs-Entscheidung kann bis zum Ende des Gestaltungsprozesses
verschoben werden, den konzeptionell bedingen die unterschiedlichen
Maßstäbe keine voneinander abweichenden Kontruktionsansätze.

***
Die nächsten Schritte werden zeigen, wie aus der Scholl-Konzeption unter
Berücksichtigung des Puschmann-Posters eine »neue« Form definiert wird...

HG
Thomas



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