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Galerien => Galerien => Thema gestartet von: dizzyfugu am 28. Januar 2026, 12:22:04

Titel: 1:8 Urd (frühe Version; Oh, my goddess!/Aa Megamisama!;Volks)
Beitrag von: dizzyfugu am 28. Januar 2026, 12:22:04
Eine Erinnerung an vergangene Zeiten – als Resinfigur mit Retro-Feeling (und -Look)! :D

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Zur Figur und die Historie:
Diese Figur ist mir besonders wichtig, denn sie erinnert mich an die Zeit vor etwa 25 Jahren, als ich als Aussteller und Workshopleiter an der „Animagic“, einer der damals größten Anime-Conventions Deutschlands, teilnahm. Es war eine unglaublich lustige Zeit mit vielen netten Leuten und persönlichen Highlights wie dem Treffen mit der japanischen Komponistin Yoko Kanno und dem Besuch eines ihrer Konzerte. Ein einmaliges Erlebnis! :-D

Ich entdeckte die Figur bei einem der Merchandising-Händler auf einer der ersten Conventions, noch bevor die Tore für die Besucher geöffnet wurden, und als großer Aa megamisama!-Fan war ich natürlich versucht, sie zu kaufen. Die Figur war recht einfach und günstig (damals 79 DM), und als ich sah, dass ein Fuß abgebrochen war, handelte ich den Preis noch herunter, wenn ich mich recht erinnere, auf nur 50 DM, was heute (ohne Inflation) etwa 25 EUR entspräche – ein Schnäppchen!

Es war allerdings unklar, woher die Figur stammte, aber sie war in einer durchsichtigen Blisterverpackung und nicht in einem der typischen rosa oder blanken Pappkartons, in denen damals billige und minderwertige Nachgüsse verkauft wurden. Der Verkäufer schwor Steion und Bein, dass es sich nicht um einen Nachguss handele, aber ...na ja. Das Internet war damals auch noch nicht sehr verbreitet, um das zu überprüfen, daher war die Recherche nicht einfach und ich musste mich hauptsächlich auf japanische Zeitschriften und Sammlerkataloge stützen.

Nach dem Kauf bzw. den Conventions hatte ich jedoch nie wirklich den Drang, die Figurt zu berarbeiten oder besser noch zu bemalen – hauptsächlich, weil es ein „Monoblock-Modell“ ohne große bautechnische Herausforderung war/ist. Das änderte sich etwas, als ich kürzlich ein spezielles Geburtstagsgeschenk erhielt: eine handgezeichnete (im Auftrag angefertigte) Illustration von Urd aus Aa Megamisama! Das erinnerte mich an das Urd-Modell irgendwo in meinem Fundus. Ich kramte es hervor und beschloss, mich endlich daran zu machen! Die Zeit war reif.

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Ich war außerdem neugierig geworden: Was hatte ich da nun tatsächlich vor mir? Nur ein billiger Nachguss oder etwas Authentisches? Das ist ein bekanntes Problem bei solchen Garagen- und Kleinserien-Kits, besonders wenn man sie online (völlig fragwürdig) oder auf Messen und Conventions kauft, wo man sich wenigstens die Teile, das Resin und die Verpackung ansehen kann.

Die gute Nachricht: Nach etwas Recherche im Internet scheint es sich tatsächlich um ein originales Volks-Modell von Urd zu handeln! Volks Inc. ist ein japanisches Unternehmen, das Garagen- und Mecha-Kits sowie die Puppenlinien Dollfie, Super Dollfie und Dollfie Dream herstellt. Der Firmensitz befindet sich in Kyoto, mit rund 30 Geschäften weltweit. Volks brachte eine ganze Serie von Oh! My Goddess-Modellbausätzen im Maßstab 1:8 heraus, und diese Urd-Figur ist offenbar ein besonderes Give-Away- oder Bonus-Modell. Merkwürdig ist, dass sie nicht in den typischen farbig bedruckten Pappkartons des Unternehmens, sondern in einer durchsichtigen Blisterverpackung mit lediglich einem schwarz-weißen Aufkleber (und möglicherweise einem metallisierten Kodansha-Lizenzaufkleber) verkauft wurde. Dank des Internets fand ich Referenzen sowohl zur Figur als auch zur Verpackung, und beides sieht authentisch aus, auch wenn man sich trotzdem nicht ganz sicher ist. Ich neige jedoch dazu zu glauben, dass ich tatsächlich einen originalen Volks-Bausatz besitze – diese erzielen heutzutage, wenn sie vollständig und in einwandfreiem Zustand sind, Preise zwischen 150 und 200 Euro. Daher war es trotz der langen Zeit, die der Bausatz in meiner Sammlung verbrachte, selbst vor 25 Jahren ein Schnäppchen! ^^

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So, nun sind wir hier, 25 Jahre später. Die Blisterverpackung ist vergilbt, der Aufkleber verblasst und auch das Resin der Figur hat sich etwas dunkler verfärbt – aber alles war noch in Ordnung. Aus bautechnischer Sicht gibt es über dieses Modell nicht viel zu berichten, da die Figur nur aus einem einzigen massiven Teil besteht – wahrscheinlich, weil es sich um eine schnell entworfene und produzierte Sonderedition handelte. Ich musste lediglich den abgebrochenen Fuß wieder ankleben und einige leichte Gussnähte und Angussreste an Schultern und Füßen abschleifen.
Um die Figur etwas lebendiger und filigraner wirken zu lassen, habe ich ein paar Haarsträhnen aus 0,5 mm dickem Styrol hinzugefügt – einfach mit der Schere ausgeschnitten und mit Sekundenkleber auf die Stirn geklebt. Eine weitere Ergänzung für die spätere Präsentation ist ein selbstgebauter Sockel für die Figur, der meinem Standarddesign folgt (nicht im Bild).

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Bemalung:
Wie viele Garage Kits, insbesondere aus den 90er-Jahren, wurde auch dieses Modell nach einer konkreten Illustration oder nach Screenshots aus OVAs/Fernsehserien modelliert. Dies erleichterte es im heutigen Internetzeitalter erheblich, authentische Referenzen zu finden, da dem Volks-Bausatz weder eine Anleitung (okay, es ist ja auch kein Zusammenbau nötig!) noch das übliche Foto des fertigen Modells beilag. In dieser speziellen Darstellung erscheint Urd in der OVA-Serie (was angesichts ihrer "frühen" Frisur plausibel erscheint, daher würde ich die Figur/Form auf 1994 oder 1995 datieren), im Manga (als Yggdrasil-Systemadministratorin "bei der Arbeit") sowie in einigen Illustrationen außerhalb des Mangas, möglicherweise sind dies Covermotive.

Ihre Kleidung erwies sich als recht farbenfroh: ein dunkelblaues Kleid mit tigergestreiften Revers und weinrotem Futter, ein breiter violetter Gürtel oder Obi und niedrige Stiefeletten (auf einigen Illustrationen trägt Urd auch offene Sandalen). Außerdem sieht man viel nackte Haut mit einem deutlich gebräunten/bronzenen Farbton, ihr lockiges, fast weißes Haar sowie einige Schmuckstücke.

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Nach den wenigen Arbeitsschritten an der Hardware begann das Bemalen mit einer Grundierung mit weißem Sprüh-Primer (Vallejo), um die Oberflächenbeschaffenheit zu prüfen und eine gute Basis für die Haut zu schaffen. Dies war die erste Farbschicht, die ich auftrug, ebenfalls mit Sprühdosen. Aufgrund der relativ geringen Größe der Figur wollte ich einen leichten Schattierungseffekt erzielen, und dieser Effekt sowie ein gleichmäßiges Hautbild wären mit dem Pinsel kaum zu erreichen gewesen. Die passenden Farbtöne für Urds Haut zu finden, war allerdings knifflig, und schließlich besorgte ich mir mehrere Montana Gold Sprühdosen – eigentlich Material für Graffiti-Künstler, aber auch hervorragend für Modelle geeignet, da die Acrylfarben eine großartige und feine Sprühqualität, ein gleichmäßiges Finish und eine Farbpalette mit subtilen Abstufungen bieten, die feine Übergänge ermöglichen. Ich benutzte einen Grundton namens „Make-up“, der überraschend nah an Urds Hautton auf offiziellen kolorierten Illustrationen liegt, und trug darüber eine dünne, gezielte Schicht „Flesh“ auf, um Highlights zu setzen.

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Danach ging die Arbeit mit Pinseln und hauptsächlich mit Emaillefarben weiter. Ich folgte einer Strategie von hell nach dunkel und begann mit den Haaren. Diese wurden in zwei Grautönen und reinem Weiß (Revell 374, 371 und 04) nass-in-nass gemalt, um Kontrast und Schattierungen zu erzeugen. Als Nächstes folgten die tigergestreiften Revers (Humbrol 7 und 9), der violette Gürtel (eine Mischung aus Revell 350 und Humbrol 20 und 47) sowie ihre Stiefel und fingerlosen Handschuhe (beide Humbrol 9 und 98). Diese mussten erneut gründlich trocknen, bevor ich das bordeauxrote Futter (Humbrol 20 und 51) von Urds Kleid und Mantel auftrug. Auch diese Farbe musste aufgrund der glänzenden Humbrol-Emaille, die dazu neigt, stunden-, wenn nicht tagelang feucht zu bleiben, eine Weile trocknen. Als Nächstes folgte das sehr dunkle Blau der Außenseite ihres Mantels (den Illustrationen nach zu urteilen, ist er deutlich dunkler als das darunterliegende Kleid) mit Humbrol 104 und Revell 350 – wieder in Nass-in-Nass-Technik, um Schattierungseffekte ohne Airbrush zu erzielen – und schließlich das blaue Kleid mit Revell 350 und Model Master 2012.

Nachdem die Figur ihre Grundfarben erhalten hatte, ging es an die Detailarbeit. Dazu gehörten Korrekturen, das Hervorheben ausgewählter Kanten und Falten mit verdünnter schwarzer Tinte, das Setzen von Highlights und das Bemalen des recht filigranen Schmucks. Dieser wurde zur besseren Verarbeitbarkeit mit matter schwarzer Acrylfarbe grundiert und anschließend mit Metallic-Lackstiften in Gold und Silber bemalt, um dem kanonischen Aussehen der Figur aus dem Fernsehen und den Illustrationen so nahe wie möglich zu kommen. 

Die Augen sind Aufkleber – im Maßstab 1:8 ist es echt schwierig, sie gut zu bemalen. Urd hat sehr besondere, schmale (fast katzenartige) Augen und einen ...besonderen Ausdruck, nicht die typischen Mondaugen eher niedlicher Anime-Mädels. Ich habe mir ein paar generische Augenaufkleber-Sets besorgt und schließlich ein Paar gefunden, das vom Stil und der Größe her gut passte – obwohl ich mir bei Urds Augenfarbe etwas unsicher war. In manchen Illustrationen sind sie anscheinend grün, in anderen (wahrscheinlich Fan-Art) sogar violett? Ihre „offizielle“ Augenfarbe wird als „golden oder bernsteinfarben“ beschrieben. Da ich dies aber nicht bestätigen konnte habe ich mir aus den Decal-Optionen für Augen mit einem grünen Ton und eine schmalere Mandelform entschieden, die meiner Meinung nach dem „Original“ am nächsten kommt. Außerdem habe ich diese mit fast weißen Augenbrauen von einem anderen Augenpaar kombiniert, die auch nich den Vorteil feiner schwarzer Ränder haben, was ihren Kontrast verbessert.
Urds blaue "Gesichts-Tattoos" (das nach unten zeigende Dreieck auf ihrer Stirn symbolisiert die Vergangenheit) wurden ebenfalls mit Decal-Material gestaltet, obwohl sie zur einfacheren Bemalung erhaben auf das Gesicht der Figur modelliert wurden. Die Abziehbilder machten die Sache aber deutlich sauberer, insbesondere bei den zusätzlichen Haarsträhnen vor Urds Gesicht. Diese hätten eine filigrane Bemalung erheblich erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht.

Als letzten Schritt wurde der leicht geöffnete Mund des Modells mit verdünnter ziegelroter Emaillefarbe „ausgefüllt“, um Tiefe zu erzeugen, aber einen „Lippenstift-Look“ zu vermeiden. Diesen hat Urd trotz ihres Aussehens und ihrer Art nicht, und er wirkt bei großen Anime-Figuren m.E. auch generell eher albern.

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Zum Schluss wurde die Figur mit mattem Acryllack aus der Sprühdose versiegelt (Marabu Deco-Matt), der Sockel schwarz bemalt, und schließlich war sie fertig (und bereit für Fotos 😉).

Weitere Bilder, insbesondere aus der Entstehungsphase, finden sich hier: https://www.flickr.com/photos/dizzyfugu/albums/72177720331650666/ (https://www.flickr.com/photos/dizzyfugu/albums/72177720331650666/)